Gruenspan – Grooveberechtigung (2013) 
(Autor der Rezension: BGPONE)

Die CD ist abwechslungsreich, enthält einige erfrischende Jazz-Nummern, aber auch experimentelle Teile und Balladen. Es gibt keine Schwachstellen, jede Minute ist interessant. Die Aufnahmequalität ist sehr gut, räumlich, transparent, analytisch. Jedes Instrument kann gut verfolgt werden. Wer sich mal Scheiben aus der Blütezeit des "Jazzrocks" (auch "Fusion" genannt) Mitte der Siebziger Jahre anhört, wird feststellen, dass sich aufnahmetechnisch was getan hat. Scheiben aus dieser Zeit klingen meist schlechter als diese hier. Somit lohnt sich die Anschaffung der CD schon aus diesem Grund. Ein anderer Grund ist die sehr geschmackvoll gestaltete CD-Verpackung. In einem Slim-Papp-Case befindet sich auf einem durchsichtigen Träger die CD, welche durch ihre Schallplattenoptik auffällt. Sie ist komplett schwarz, hat Rillen und Label auf der Oberseite und ist auf der Unterseite (wo die Musikinformationen sitzen) ebenso schwarz, aber glatt. Nimmt man sie heraus, erscheinen die vier Köpfe der Bandmitglieder. Das Cover hat, passend zum Bandnamen, einen "Kupferpatina-Hintergrund" mit dem Stempelaufdruck "Grooveberechtigung". 

Das Set an Instrumenten wechselt kaum, manchmal kommt ein Saxophon hinzu, manchmal wechselt der Keyboarder vom E-Piano zum Klavier oder zu Synthesizerklängen, oft hört man statt klassischem E-Bass einen Fretless-Bass, der Gitarrist wechselt von der cleanen Jazzgitarre zur verzerrten Rockgitarre. Somit vermittelt die CD den Eindruck eines Live-Konzertes, handgemachte Musik, ohne allzu viel Schnickschnack. Man konzentriert sich aufs Wesentliche, nämlich auf das Spielen der Instrumente. Da ich die Band live gesehen habe, kann ich versichern, dass sie ihre Musik genau so auch bringen können, spielerisch und soundtechnisch. Das ist nicht selbstverständlich, denn alle Musiker zeigen, dass sie ihr Instrument hervorragend beherrschen. Besonders erfrischend empfinde ich das Zusammenspiel von Drummer Walter Nouvortne und Bassist Jürgen Hierse.

Wer auf Jazzrock steht und Musik von "Brand X", "Mahavishnu Orchestra", "Billy Cobham" oder "Chick Corea" mag, dem wird es gefallen.Garantiert!


Weitere Infos zur Band und zur CD:
https://www.facebook.com/gruenspan.band

To Make A New Start
Erfrischender Jazz, schöne Saxophonmelodien, tolle Schlagzeugbreakes. Nach einem Gitarrensolo folgt eine Keyboardsolo und ein Basssolo. Eine klassische Jazzrocknummer.
Sehr ansprechend und gut als Opener für die CD geeignet.

Babys Dream
Schöner Funkrhythmus, der immer wieder von Bass, Keyboards und Gitarre kommentiert wird. Walter Nouvortne spielt immer wieder um den Rhythmus herum. Groovig und trotzdem eingänglich.

For M.
Ein swingender Einstieg, schöne Jazzharmonien, die Melodie wird vom Saxophon getragen. In der Mitte des Stücks gibt es ein sehr kurzes und schönes Klaviersolo, auf das direkt ein sehr schönes Jazzgitarrensolo und ein ebenso schönes Saxophonsolo folgen, alles sehr passend mit dem Fretless-Bass von Jürgen Hierse begleitet. Das Keyboard hält sich dezent im Hintergrund. Eine romantische Jazznummer. Bleibt nur dir Frage offen, wer "M." sein könnte.

Bon Voyage
Das Stück beginnt mit sphärischen Keyboardklängen, dann rhythmische High Hats, gezupfter Bass, dann setzt die Snare ein. Die Musik erinnert mich an Brand X, vielleicht an "Stellerator" oder "The Worst Man" von der CD "Manifest Destiny". Rhythmik und Harmonik verändern sich kaum, dadurch entfaltet das Stück eine hypnotische Wirkung. Mit einem langsamen Ausklang endet das Stück. Gute Reise ins Land der Träume!

Ballad For ES
Was immer mit "ES" gemeint ist (Anspielung auf Stephen King, Sigmund Freud, oder einfach nur die Initialen einer Frau…) sei dahingestellt. Das Stück klingt nicht sonderlich nach Ballade. Hier übernimmt zunächst Jürgen Hierse die Führung mit seinem Fretless-Bass,  glänzt durch ein längeres und beeindruckendes Solo, bis Joachim "Jö" Marmann seine Rockgitarre auspackt und die Ballade, die keine ist, beendet.

Septembers Funk
Der Name ist Programm. Funk, mit teils verzerrten Keyboardklängen und schönen Saxophoneinwürfen. Hier steht mal zur Abwechslung der Keyboarder  im Vordergrund mit seinem funkigen E-Piano-Spiel. Was mich etwas stört sind immer wieder auftretende Synthesizertöne im Hintergrund, die fast wie das Summen einer Biene oder der Vibration eines Handys auf dem Tisch klingen. Absicht?

Etwa in der Mitte des Stückes gibt es einen Break, als wäre das Stück hier zu Ende. Dann setzt es wieder neu an, aber mit veränderten Harmonien und Rhythmus. Diese Stelle gefällt mir besonders gut. Dann folgt ein Keyboardsolo, ein Gitarrensolo und zum Abschluss spannt die Saxophonmelodie den Bogen zum Anfang des Stückes. Toll!

Moon Falls
Das Stück fängt sehr romantisch mit E-Piano an, tolle Harmonien, sehr balladenhaft! Dann klinken sich Bass und Gitarre ein, begleiten einfach nur. Dann setzt  das Schlagzeug ein mit Ride-Becken und Rimshots, die Melodie wiederholt sich, sehr schön gemacht, eingänglich, romantisch, träumerisch.
Es folgt ein jazziges Gitarrensolo, das endet – Break – und fängt wieder neu an. Diesmal gibt der Bass den Ton an. Hier ist endlich die bereits zwei Stücke vorher angekündigte Ballade, sehr romantisch, Balsam für die Seele, mein persönlicher Favorit der CD.

Innocent View
Direkt zu Anfang wird ein hohes Tempo vorgelegt, das Stück baut sich immer weiter auf, indem sich das Schlagzeug öffnet. Hier hätte meiner Meinung nach gut ein Drumsolo reingepasst, welches man auf der CD gänzlich vermisst. Wer das hören möchte, sollte sich GRUENSPAN unbedingt live anschauen.

Knees In Time
Ein sehr schöner Anfang: Hier zupft Jürgen Hierse Akkorde auf dem Bass, dann übernimmt Florian Auras diese Akkorde auf dem E-Piano und die Bassbegleitung setzt ein.
Das Keyboard übernimmt die Melodie, dann der Bass. Nach einem Break scheint das Stück von vorne zu beginnen, allerdings setzt direkt ein längeres Solo auf der verzerrten Rock-Gitarre, dann Jazz-Gitarre. Ein etwas abrupter Schluss beendet das Stück.

Gruenspan 2
Wer dieses Lied einmal gehört hat, vergisst es so schnell nicht mehr. Zum einen, weil  Keyboarder Florian Auras das Stück mit regenähnlichen Klängen seines Synthesizer eröffnet und sich zudem hier klangmäßig experimentierfreudig zeigt.
Dann beginnt ein swingender Rhythmus, der hauptsächlich vom Piano getragen wird. Immer wieder gibt es Breaks mit tollen Gitarreneinwürfen und schönen Klavierphrasen, im Hintergrund Synthesizerpads, die dem Stück eine schwebende Leichtigkeit verleihen.
Im letzten Drittel des Stückes blüht ein kurzes Klaviersolo auf, welches man meiner Meinung nach ruhig noch weiter hätte ausbauen können.
Durch die Synthesizerklänge, und den tollen Grooves ist mir das Stück nach dem Auftritt im JUKZ Ende September letzten Jahres im Gedächtnis haften geblieben.