Rezension:
Paul & Mike – Nothing to Loose (2014)


Der Titel ist klingt interessant, das Bild auf dem Cover passt sehr gut. Man sieht dort Mike und Paul auf einer Parkbank im Dunkeln. Öffnet man die CD, so stehen auf der Parkbank gut beleuchtet die Instrumente der Band: Lediglich ein Cello und eine Gitarre – Nothing to Loose.

Die CD ist bunt bedruckt, die Schrift ist die gleiche Handschrift wie im Innern des Booklets.

Das Innere des Booklets ist handgemalt und handbeschriftet, wie die Musik eben auch handgemacht ist ohne jegliche Elektronik auskommt, außer ein paar Echoeffekte.

Aber kommen wir zum Inhalt. Die Songs klingen mit lediglich zwei Instrumenten und dem Gesang von Paul erstaunlich vollständig. Paul übernimmt mit seinem Cello die Melodieführung, die Solos, ebenso den Bass und auch die Percussions. Das Fehlen der richtigen Percussions wird ersetzt durch das rhythmische Cellospiel und das Schlagen auf den Klangkörper. 

Paul singt. Seine Stimme ist sehr angenehm, der Gesang ist erstaunlich gut und dynamisch, Paul scheint der Alleskönner der Band zu sein. Die Gitarre von Mike übernimmt die Begleitung des Cellos und steht selten im Vordergrund. Das ist ungewöhnlich, denn in dieser Konstellation ist es meist umgekehrt: Die Gitarre übernimmt die Führung, das Cello begleitet.

Die Songs wechseln sich schnellen und dynamischen Popsongs und langsamen und melancholischen Balladen. Die schnellen und dynamischen Popsongs erinnern mich ein wenig an Police und an Sting. Einige Passagen klingen so bekannt, dass man fast glaubt, sie wären bekannten Popsongs entnommen. Die Songs sind aber alle Eigenkompositionen.

Alle Songs sind englischer Sprache. Die Texte sind gut verständlich und handeln überwiegend von zwischenmenschlichen Themen, wie die meisten Popsongs. Die Texte möchte ich hier nicht weiter analysieren, sie sind gut, für mich persönlich steht aber die Musik im Vordergrund.

Insgesamt finde ich das Album sehr gelungen. Es ist innovativ und eingänglich zugleich. 

Auf jeden Fall lohnt es sich, die beiden live zu sehen. Sie haben keine Probleme damit, ihre Songs in hoher Qualität zu performen.

Kommen wir zu den einzelnen Titeln.

Show me the truth
Durch das sich langsam aufbauende Intro ein guter Opener, in dem klar das Hauptinstrument im Vordergrund steht. Hier wird schnell gezeigt, in welche Richtung die Reise auf der CD geht, denn getragen wird der Song durch die typisch rhythmischen und schnellen Melodiephrasen des Cellos.

The one
Hier ist klar der Einfluss von Police hörbar. Dieser Song ist meiner Meinung nach der stärkste auf der CD und hat Hitchancen. Er ist klar strukturiert und verbreitet mit seiner Verbindung von Reggae-Rhythmus mit Popmusik den gleichen Charme, wie ihn seinerzeit Police verbreitet haben.

Nothing to loose
Rhythmisch auch wieder ein starker Song. Hier spielt den Cello Contrabass und Paul klopft dazu auf den Holzkörper seines Instruments. Der Gesang passt sich rhythmisch perfekt in die Musik ein. Dieser Titel wäre mein zweiter Anspieltipp und hat ebenfalls Hitcharakter.


Man in the park
Der erste melancholische Song des Albums. Hier wird das Cello in klassischer Weise gespielt und unterstützt damit den melancholischen Charakter des Stückes gut. So ähnlich fühle ich mich, wenn ich nach einem ereignisreichen Sommertag abends durch einen dunklen und einsamen Park wandere. Eine sehr schöne Ballade.

Coming back home
Wieder ein schöner Popsong, der Ahnlichkeiten mit "The one" aufweist, aber nicht ganz so eingänglich ist. Dafür spielt hier Paul ein wunderschönes Solo im letzten Drittel des Songs.

Woodstock

Ein sehr gelungener Song, der gut ins Ohr geht. Das wäre auch schon mein dritter Anspieltipp. Zum Schluss geht der Song mit Paul durch…

Shadows hand
D
er Song beginnt mit einem gruseligen Intro. Auch harmonisch beschreibt er gut eine gruselige Atmosphäre. In der Mitte des Songs zeigt Mike sein Können auf seiner Gitarre, indem er ein tolles Solo spielt. Insgesamt ist der Song mit 8 Minuten etwas zu lang geraten.

Run away
Der Anfang ist sehr stark an Police "Hole In My Life" von Police angelehnt, entwickelt sich dann aber schnell zu einem eigenständigen Song. Überhaupt hatte ich oft das Gefühl, die Melodien irgendwo her zu kennen. Bei diesem Song konnte ich es dingfest machen.

Auch wieder ein sehr rhythmischer und eingängiger Song, jazzig, in welchen Paul und Mike jeweils ein tolles Solo spielen.

Enough for now
Ein angenehmer Popsong, der in der Mitte seinen Charakter ändert und sich plötzlich so anhört, als kenne man ihn von irgendwo her. Ab diesem Punkt gewinnt er auch deutlich an Fahrt.

Fire&Freedom
Zu Beginn wurde der Song so getrimmt, als würde man einen alten Blues-Song auf einem alten Plattenspieler von einer alten Platte hören, oder soll das ein Feuer-Knacksen sein?

Der Song bleibt im traditionellen Blues-Schema. In der Mitte des Songs verlässt er klanglich die alte Schallplatte, flammt kurz auf, um schnell wieder ins alte, gewohnte Schema zurück zu gehen. Für meinen Geschmack ist der Song zu traditionell und damit zu wenig innovativ.

Lost
Interessant an diesem Song ist, das Paul hier gut Percussions imitiert und außerdem mit seinem Cello streicherartige, mellotronähnliche Sounds produziert, sie heutzutage fast ausschließlich mit Keyboards erzeugt werden. Überhaupt wird hier viel mit Echos gearbeitet.

You give it
Der Anfang verrät schon den musikalischen Trip nach Indien.

Ansonsten zählt dieser Song auch zu den eher unauffälligen auf dem Album.

Stay
Hier sprechen Paul und Mike noch mal ein Schlusswort. Der Song geht richtig rockig ab. Ich könnte mir gut vorstellen, wie Pauls Part hier von einer verzerrten E-Gitarre gespielt wird.

Hier gibt es Links zur Band:

https://www.facebook.com/paulmikemusic

http://www.paulrittel.de/

http://www.amazon.de/Nothing-lose-Paul-Mike/dp/B00GX7K23E